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Leitsymptom Tagesmüdigkeit

In Deutschland plagen sich ca. 12 Millionen Menschen mit übersteigerter Müdigkeit am Tage. Länger anhaltende, ausgeprägte Tagesmüdigkeit ist unbestritten der auffälligste Hinweis auf eine Schlafstörung. Dennoch ist für den Laien nicht immer eindeutig erkennbar, ob die Tagesmüdigkeit lediglich auf mangelnde Schlafhygiene (s. unsere Tipps für einen gesunden Schlaf) oder tatsächlich auf eine behandlungsbedürftige Erkrankung zurückzuführen ist. Sollten Ihnen die Ursachen Ihrer fortbestehenden Tagesmüdigkeit nicht bekannt sein oder sollten Sie sogar gegen Ihren Willen am Tage einschlafen, empfehlen wir Ihnen dringend, einen Schlafmediziner aufzusuchen.

Katastrophale Tagesmüdigkeit
Da die Schlafmedizin eine vergleichsweise junge Disziplin ist, sind die oftmals gravierenden Folgen unzureichenden Schlafes noch immer viel zu wenig im öffentlichen Bewusstsein verankert. Doch im wahrsten Sinne des Wortes kann ungenügender Schlaf – egal ob er auf einer Erkrankung oder lediglich auf mangelnder Schlafhygiene basiert - katastrophale Folgen nach sich ziehen. Von der Medienwelt weitgehend ignoriert, wurde eine der schlimmsten Umweltkatastrophen durch mangelnden Schlaf ausgelöst: Der riesige Öltanker „Exxon Valdez“ lief nicht etwa auf Grund, weil der Kapitän alkoholisiert war, wie die Mehrheit glaubt. Vielmehr hatte der Kapitän kurz zuvor das Kommando auf seinen dritten Maat übertragen – und der litt unter erheblichem Schlafentzug.

Unfallrisiko Schlafschuld
Glücklicherweise führt mangelnder Schlaf – man spricht auch von „Schlafschuld“ – nur in Ausnahmefällen zu vergleichbaren Dramen. Trotzdem belegen zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Müdigkeit verursachenden Schlafstörungen und erhöhtem Unfallrisiko. Viele Unfälle im Straßenverkehr gehen unmissverständlich auf das Konto „Schlafschuld“. Auch die stetig steigende Anzahl von Touristen- und Schulbusunglücken während der letzten Jahre wird zunehmend im Kontext defizitären Schlafes diskutiert.

Ursachen von Tagesmüdigkeit
In unserer 24-Stunden-Gesellschaft können vielfältige Faktoren zu einer gesteigerten Müdigkeit am Tage führen, ohne dass diesem Symptom zwangsläufig eine Schlafstörung zu Grunde liegen muss. Alle Altersstufen können hiervon betroffen sein, insbesondere auch Kinder und Jugendliche in Anbetracht ihres erhöhten Schlafbedarfs.

Die häufigsten Auslöser erhöhter Tagesmüdigkeit sind
  • Schichtarbeit
  • Abrupter Zeitzonen-Wechsel (Jet Lag)
  • verkürzte Schlafperioden
  • Genussmittelkonsum (Alkohol, Nikotin, Drogen)
Außerdem kann eine ganze Palette von Schlafstörungen Tagesmüdigkeit verursachen. Hierzu zählen u.a. Ursachenerkennung im Schlaflabor
Zur Abklärung der Ursachen übersteigerter Tagesmüdigkeit und zur Einschätzung des Schweregrades der Tagesmüdigkeit kommen nach ausführlichen Vorgesprächen im Schlaflabor in der Regel folgende Untersuchungsmethoden zum Einsatz:

1. Polysomnographie
Mittels der so genannten „Polysomnographie“ wird Ihre persönliche Schlafqualität und –struktur auf mehrfacher Ebene erfasst. Die Polysomnographie dient u.a. der Messung Ihrer Atmungs- und Hirnaktivität, Ihrer Motorik und der Überprüfung Ihres Herz-Kreislaufsystems im Schlaf. Dank dieser Methode kann kontrolliert werden, ob Ihre Tagesmüdigkeit aus einer behandlungsbedürftigen Schlafstörung resultiert und eine entsprechende Therapie eingeleitet werden sollte.

2. Multipler Schlaflatenztest (MSLT)
Zur objektiven Messung Ihrer Tagesmüdigkeit kann ergänzend zur Polysomnographie auch der so genannte „Multiple Schlaflatenztest“ (MSLT) angewendet werden. Der MSLT ist die bisher einzige Methode, die das Ausmaß der Schläfrigkeit am Tage objektiv erfassen kann. Bei diesem Test werden die Patienten und Patientinnen gebeten, über den Tag verteilt zu verschiedenen Zeitpunkten so schnell wie möglich einzuschlafen. Unter gleichzeitiger Messung der Hirnströme kann mit Hilfe des MSLT genau festgestellt werden, wie schnell die Patienten und Patientinnen zum jeweiligen Zeitpunkt tatsächlich eingeschlafen sind.
Das obige Bild zeigt fünf dieser MSLT bei einem Probanden an fünf Tagen. Auf der Vertikalachse ist die Zeit angegeben, die der Patient brauchte, um einzuschlafen. Auf der Horizontalachse sehen Sie die Tageszeit, zu der der Patient gebeten wurde, zu schlafen. Links der fünf Kurven kann die Anzahl der Stunden abgelesen werden, die der Proband in der Nacht vor dem jeweiligen Test geschlafen hat.
Deutlich ist zu erkennen, dass sich bei einer Schlafdauer von weniger als sieben Stunden in der Nacht die Einschlafgeschwindigkeit am Tage erhöht (gelbe Kurven).

In einigen Fällen empfiehlt sich als ergänzende Untersuchung der so genannte Maintenance of Wakefulness- Test (MWT). Bei diesem „Mehrfach-Wachhalte-Test“ werden Sie - ausgestattet mit Elektroden und Sensoren - zwei- bis viermal tagsüber gebeten, im Abstand von 2 Stunden in einem abgedunkelten Raum bequem Platz zu nehmen. Ihre Aufgabe besteht darin, während der nachfolgenden 20 Minuten nach Möglichkeit nicht einzuschlafen. Sollten Sie dennoch einnicken müssen, ist davon auszugehen, dass Sie sich auch in anderen, vergleichbar reizarmen Situationen nicht wachhalten können.
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