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Schnarchen & Schlafapnoe: Therapieformen
William C. Dement, einer der Urväter der modernen Schlafmedizin, schreibt in seinem Buch „Der Schlaf und unsere Gesundheit“, er kenne in der gesamten Medizin „kein einziges anderes ernstes Phänomen, das so verbreitet, lebensbedrohlich, behandelbar und doch so unerkannt“ sei wie das Obstruktive Schlafapnoe-Syndrom. Mit dem ähnlich verbreiteten Diabetes verglichen, erschiene ihm die Situation, als hätten Forscher Diabetes entdeckt und wirksames Insulin entwickelt, doch niemand wüsste, dass Diabetes überhaupt existiere.
Mit anderen Worten: Dank der erheblichen Fortschritte der Schlafmedizin kann Schlafapnoe-Patienten und Patientinnen inzwischen sehr gut geholfen werden. Den fatalen Folgen, etwa Schlaganfall und Herzinfarkt, kann vorgebeugt werden. Wichtig ist nur, dass das Obstruktive Schlafapnoe Syndrom überhaupt erkannt und die jeweiligen Auslöser individuell analysiert werden. Denn die Ursachen können mannigfaltiger Natur sein.
Ähnlich verhält es sich mit dem Schnarchen. Auch hier gibt es inzwischen relativ hilfreiche Therapieansätze. Gleichwohl gilt es auch hier, zunächst der eigentlichen Ursache auf den Grund zu gehen.
Vorsicht vor unseriösen Angeboten
Längst hat die Industrie erkannt, dass Mittel zur Bekämpfung von Schnarchen und/oder Schlafapnoe einen vielversprechenden Absatzmarkt bieten. Leider finden sich unter den angepriesenen Mittelchen und Methoden oftmals unseriöse Angebote, deren Wirksamkeit in keiner Weise wissenschaftlich belegt werden kann.
Sollten Sie schnarchen oder den Verdacht haben, unter einer Schlafapnoe zu leiden, wenden Sie sich in jedem Falle bitte zuerst an einen versierten Schlafmediziner. Er wird Sie über wissenschaftlich anerkannte Methoden informieren und Ihnen darlegen, welche Therapie-Konzepte Sie lieber meiden sollten.
In der Folge möchten wir Ihnen kurz die wichtigsten, wissenschaftlich fundierten Therapieformen zur Behandlung des Schnarchens und der Schlafapnoe vorstellen.
1. Nicht-operative Therapie: CPAP (BiPAP)
Die Behandlung mit einem so genannten CPAP (Continuous Positive Airway Pressure)-Gerät zählt zu den meistverordneten Therapieformen beim Obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom. Seit 1981 werden CPAP-Geräte mit sehr gutem Erfolg eingesetzt. Inzwischen sind vielfältige Typen erhältlich, die sich in Komfort, Lautstärke und Design unterscheiden.
Grundsätzlich sind die so genannten BiPAP (Bilevel Positive Airway Pressure)-Geräte in Anwendung, Funktion und Wirkung völlig identisch mit den CPAP-Geräten. BiPAP-Geräte arbeiten jedoch bei der Ausatmung mit niedrigerem Druck als bei der Einatmung (biphasisches Druckniveau) und sind daher für manche Patient/innen besser verträglich. Sie empfehlen sich vor allem auch bei Schlafapnoe-Patient/innen, die unter schweren Erkrankungen, etwa des Herzens oder der Lunge, leiden.
Das Ziel: Mechanische Weitung der oberen Atemwege |
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Bereits die Gerätebezeichnung gewährt Einblick in die Funktionsweise des CPAP-Gerätes. Frei übersetzt ist „Continuous Positive Airway Pressure“ gleichbedeutend mit „kontinuierlichem positivem Atemwegsdruck“. Die Patient/innen tragen nachts eine bequeme Nasenmaske, die über einen Luftschlauch mit einem Gebläse verbunden ist. Dieses Gebläse leitet kontinuierlich, aber sanft, Raumluft in die oberen Atemwege. |
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Mittels dieses prinzipiell simplen - Prozesses werden die oberen Atemwege geweitet, eine so genannte „Luftschienung“ erfolgt. Verengungen und Verschlüsse werden verhindert, Schnarchen und den gefürchteten Atemstillständen (Apnoen) vorgebeugt.
Das A & O: Individuelle Anpassung |
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Damit das CPAP-Gerät richtig wirken kann und das Risiko von Nebenwirkungen möglichst gering gehalten wird, werden im Schlaflabor Maske und Gerät genau auf die individuellen Bedürfnisse der Schlafapnoe-Patient/innen abgestimmt. Entscheidend ist dabei nicht nur eine möglichst hohe Passgenauigkeit der Maske, sondern vor allem die Ermittlung der exakten Druckhöhe, die erforderlich ist, um einem Verschluss der oberen Atemwege entgegenzuwirken. |
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Da dieser Wert bei allen Patient/innen differiert, werden zur Bestimmung des erförderlichen Druckniveaus Schlaf und Atmung der Patient/innen unter Verwendung eines CPAP-Gerätes aufgezeichnet. Je nach Schlafphase und Körperlage kann das erforderliche Drucklevel während einer einzigen Nacht erheblich variieren. Bei der Messung müssen daher nicht nur alle Schlafstadien, sondern auch möglichst viele unterschiedliche Schlafpositionen berücksichtigt werden. Im Anschluss wird der höchste, während der Nacht erforderliche Druckwert fest am CPAP-Gerät eingestellt. Patient/innen mit sehr hohen Druckwerten kommen möglicherweise besser mit einem BiPAP-Gerät zurecht. Hier kann für die Ausatmung ein niedrigerer Wert eingestellt werden, um den Widerstand bei der Ausatmung zu senken.
Wirksamkeit
Bis heute zählen CPAP/BiPAP-Geräte zu den wirksamsten Methoden gegen das Obstruktive Schlafapnoe-Syndrom. Zahlreiche Studien belegen, dass Schlafapnoe-Patient/innen, die ihre Maske regelmäßig tragen, dieselbe Lebenserwartung haben wie Personen ohne Schlafapnoe. Zwar begegnen einige Patient/innen dieser Therapieform zunächst mit Skepsis, doch gewöhnt sich das Gros relativ schnell an das Gerät - und zwar nicht zuletzt, weil sie rasch und deutlich eine spürbare Steigerung ihrer Lebensqualität beobachten. Nicht selten können Schlafapnoiker/innen erstmals seit langem wieder aktiv am Tagesgeschehen teilnehmen. Hohe Blutdruckwerte sinken häufig - ohne Einnahme eines Medikamentes - auf Normbereiche.
Trotz hochgradiger Wirksamkeit muss betont werden, dass CPAP/BiPAP-Geräte einer Brille vergleichbar zwar die Lebensqualität maßgeblich verbessern, jedoch definitiv keine heilende Wirkung haben. Wer also die Folgeschäden eines Obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms ernsthaft umgehen und somit seine Lebenserwartung nachhaltig erhöhen möchte, muss das Gerät unbedingt regelmäßig, d.h. jede Nacht, anwenden.
Nebenwirkungen
Zwar klagen etwa 50% aller Patient/innen in der ersten Zeit über Fließschnupfen oder Juckreiz in der Nase, doch verschwinden diese Symptome zumeist nach einigen Wochen. Auch sind hin und wieder Druckstellen im Gesicht oder trockene Schleimhäute zu beobachten. Vielfach können die Druckstellen durch eine noch genauere Maskenanpassung minimiert und die trockenen Schleimhäute durch einen Flüssigkeitsvernebler kuriert werden. Die gefürchtete Lautstärke des Gebläses wurde bei vielen Geräten der jüngeren Generation auf ein Minimum reduziert. Gerne informieren wir Sie ausführlich über weitere Tipps zur schnelleren Gewöhnung an Ihr CPAP- bzw. BiPAP-Gerät.
2. Operativ-stationäre Therapie: UPPP und LAUP |
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Soviel sei vorweggenommen: Die beiden operativen Therapieangebote, die sich hinter diesen mysteriösen Kürzeln verbergen, wirken nicht bei allen Betroffenen. Trotzdem können sie sowohl bei Schnarchen als auch bei leichten Formen der Schlafapnoe ausgesprochen hilfreich sein. Für Patient/innen mit mehr als 15 Atemstillständen (Apnoe-/Hypopnoeindex) pro Stunde Schlaf sind UPPP und LAUP unterdessen nicht zu empfehlen.
Das Ziel: Operative Beseitigung von Engpässen
Mittels UPPP (Uvulopalatopharyngo-Plastik) und LAUP (Laser assistierte Uvulopalato-Plastik) sollen durch die operative Entfernung von Weichteilgewebe im Nasen-Rachen-Raum Engpässe gemildert werden, die Schnarchen und Schlafapnoe fördern können. Abgetragen werden dabei zumeist Teile des Gaumensegels und des weichen Gaumens, ggf. auch der Mandeln. Bei der UPPP wird das Gewebe unter Vollnarkose im Krankenhaus entfernt. Unterdessen kommt bei der ambulant durchführbaren LAUP ein CO2-Laserschneidegerät zum Einsatz. Bei dieser Methode ist die Blutungswahrscheinlichkeit geringer. Völlig schmerzfrei hingegen wie man ursprünglich hoffte ist auch die LAUP nicht.
Wirksamkeit
UPPP und LAUP vermindern in vielen Fällen das Schnarchen. Eine Schlafapnoe wird laut mehrerer Studien dagegen nur bei rund 10% der Patient/innen vollständig beseitigt. In jedem Falle ist es ratsam, sich vor der Operation gründlich von einem Schlafmediziner untersuchen zu lassen. Sollten nach dieser Untersuchung keine grundsätzlichen Bedenken gegen einen operativen Eingriff vorliegen, empfehlen wir trotzdem dringend, ca. 4 bis 6 Wochen nach der Operation nochmals eine Kontrollnacht im Schlaflabor zu verbringen. Viele Patient/innen fühlen sich nämlich nach der OP subjektiv besser. Doch ob der chirurgische Eingriff tatsächlich erfolgreich war und somit die gefürchteten Folgeschäden der Schlafapnoe künftig sicher ausgeschlossen werden können, ist nur anhand einer erneuten Messung objektiv zu überprüfen. Sollte die OP keine Verbesserung der Beschwerden bewirkt haben, muss eine zusätzliche Behandlung (meistens mit CPAP/BiPAP) eingeleitet werden.
Nebenwirkungen/Komplikationen
Bei UPPP und LAUP kann es in seltenen Fällen zu unerwarteten Komplikationen kommen. Mitunter ist ein längerer Krankenhausaufenthalt notwendig. Grundsätzlich müssen sich die Patient/innen auf postoperative Schmerzen (ca. zwei Tage nach der OP einsetzend) einstellen, die bis zu 14 Tage anhalten können. Auch wurde in wenigen Einzelfällen über eine nasale Sprache oder willkürliches Rückströmen von Flüssigkeiten beim Schlucken und Trinken berichtet.
3. Ambulante Therapie: Somnoplastik (Somnoplasty)
Anders als die vorgenannten Therapien sollte die Somnoplastik nur gegen das Schnarchen, nicht jedoch gegen die Schlafapnoe eingesetzt werden. Bevor Sie sich für diese Behandlung entscheiden, sollten Sie in jedem Falle in einem Schlaflabor überprüfen lassen, ob Sie tatsächlich „nur“ schnarchen oder aber an einem Obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom leiden..
Das Ziel: Weitung des Rachens durch Radiofrequenzwellen
Wie bei der UPPP und LAUP werden auch bei der Somnoplastik Engpässe im Nasen-Rachenraum durch Gewebereduzierung abgebaut. Gegenüber der UPPP und LAUP hat die Somnoplastik erhebliche Vorteile: Sie gilt als weitgehend schmerzfrei (operativ und postoperativ). Außerdem ist die Gefahr postoperativer Komplikationen geringer. |
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Im Grunde macht sich die Somnoplastik einen ganz natürlichen Effekt zu eigen: Gezielt werden im Nasen-Rachen-Raum (v.a. im Bereich des Gaumensegels und des weichen Gaumens) winzige Narben erzeugt, das Gewebe zieht sich zusammen (Retraktion) und wird gestrafft.
Die Dauer des Eingriffs ist vergleichsweise kurz: Zunächst wird unter lokaler Betäubung eine kleine Nadel in das Weichteilgewebe des Nasen-Rachen-Raumes eingeführt. (Bild 1) Über diese Nadel wird ein winziger Teil des unmittelbar umliegenden Gewebes mittels Radiofrequenzwellen auf ca. 85° C erhitzt. Der Zeitraum der Erhitzung wird vorher exakt festgelegt und dauert maximal 90 Sekunden (Bild 2). Danach wird die Nadel umgehend entfernt und ggf. an weiteren Stellen erneut eingeführt. Nach etwa 2-3 Wochen bilden sich eng umschriebene Narben, das Gewebe zieht sich über den Prozess der so genannten „Defektheilung“ (Narbenbildung) zusammen (Bild 3 und Bild 4).
Falls die einmalige Behandlung noch nicht zum vollständigen Erfolg geführt haben sollte, kann diese schonende Methode erneut angewandt werden.
Wirksamkeit Studien bescheinigen der in Zusammenarbeit mit der kalifornischen Stanford Universität entwickelten Somnoplastik im Kampf gegen das Schnarchen eine relativ hohe Erfolgsquote. Derzeit wird überprüft, in welcher modifizierten Form man die Methode auch für Schlafapnoe-Patienten nutzbar machen könnte. Weitergehende Informationen finden Sie auch auf der Website des Geräteherstellers Somnus.
4. Operativ-ambulante Therapie: RAUP
Auch bei dieser, RAUP (Radiofrequenz assistierte Uvuloplastik) genannten Methode werden Radiofrequenzwellen zur Bekämfung des Schnarchens eingesetzt.
Wirksamkeit und Nebenwirkungen
Der Behandlungserfolg der RAUP ist durchaus mit dem der UPPP/LAUP vergleichbar. Allerdings kann die RAUP ambulant durchgeführt werden. Zudem wird sie in der Regel seltener von Nebenwirkungen und geringeren Schmerzen begleitet.
Leider führen derzeit nur sehr wenige Ärzte diese Behandlungsmethode durch. Nach unseren Informationen hat die MEDICA MÜLHEIM bisher die meisten Erfahrungen mit dieser Operationsmethode. |
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