Pioniere der Schlafmedizin

Schlafmedizin – ein junges Forschungsfeld

Pioniere der Schlafmedizin von Dr. med. Riccardo A. Stoohs

Als erstes wäre meiner Meinung nach Hans Berger zu nennen, da er die wissenschaftliche Methode entdeckt hat, die Hirnströme des Menschen zu messen.

Nathaniel Kleitman hat mit Aserinski (1953) und W.C. Dement den REM-(Traum) Schlaf entdeckt.

William C. Dement war der erste klinische Schlafmediziner an einer Universität (Stanford Universität) mit einem Lehrstuhl für Schlafmedizin.

Christian Guilleminault ist der Erstbeschreiber des obstruktiven Schlafapnoesyndroms, der in den späten 60 er Jahren nach Stanford kam, um dort die Schlafapnoe zusammen mit W.C. Dement zu erforschen. Sein Chef in Paris war der Meinung, dass es diese Schlafstörung nicht gibt.


Von Hans Berger bis Hermann Peter

Hans Berger

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1873-1941

Die Geburt der modernen Schlafforschung wurde durch die Entdeckung der elektrischen Aktivität des Gehirns durch Caton (Arzt in Liverpool, UK) im Jahr 1887 möglich. Er verstärkte die geringen elektrischen Ströme im Großhirn von Tieren und konnte so die Aktivität der Hirnzellen sichtbar machen. Im Jahr 1929 gelang es dem Jenaer Psychiater Hans Berger, diese elektrischen Ströme auch von der Kopfhaut des Menschen abzuleiten. Das EEG (Elektroenzephalogramm) wurde so zur Grundlage der Erforschung des Schlafes, da die hirnelektrische Aktivität in Abhängigkeit vom Bewusstseinszustand unterschiedliche Muster zeigt. Bis heute wird in der modernen Schlafmedizin die gleiche Methode der Ableitung der Hirnströme nach Hans Berger verwendet. Im gebührt die Anerkennung für die Entdeckung der Methodik in der modernen Schlafmedizin.

 

Nathaniel Kleitman

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1895-1999

Nathaniel Kleitmans bahnbrechendes Werk: "Sleep and Wakefulness"

 

 

Nathaniel Kleitman wurde im Jahr 1895 in Russland geboren und war als Arzt in Palästina tätig. Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges flüchtete er in die USA und wurde Professor für Physiologie an der Universität von Chicago. Er war der Erste, der die Erforschung des Schlafes kontinuierlich betrieb, und veröffentlichte im Jahr 1939 das damals umfassendste Werk über den Schlaf: „Sleep and Wakefulness“. Wirklichen Ruhm erlangte er zusammen mit Aserinsky durch die Entdeckung der schnellen Augenbewegungen (rapid eye movements, REM) im Traumschlaf. Schon zuvor war vereinzelt darüber berichtet worden, dass bei einschlafenden Menschen unter den geschlossenen Augenlidern langsame, rollende Augenbewegungen zu beobachten sind. Um nicht die ganze Nacht die Augen kontrollieren zu müssen, kam Kleitman auf die Idee, einen seiner Studenten damit zu beauftragen, Sensoren dicht an den Augen zu positionieren, die die elektrische Aktivität der sich bewegenden Augen aufzeichnen konnten. Dabei stellten sie fest, dass sich die Augen unter den Lidern nicht nur beim Einschlafen sondern auch mitten im Schlaf bewegen. Allerdings waren die Augenbewegungen während des Schlafes viel schneller als beim Einschlafen. Anfangs wurde dieser Entdeckung keine besondere Bedeutung zugeschrieben. Dann jedoch begannen die Forscher zu mutmaßen, dass die schnellen Augenbewegungen (REM) mit dem Träumen in Verbindung stehen könnten. Zu dieser Zeit (1952) wurden die Hirnströme und Augenbewegungen nicht während der gesamten Nacht aufgezeichnet. Die Schlafprobanden wurden in einer Phase mit schnellen Augenbewegungen geweckt und berichteten auffallend häufig von unmittelbar vorangegangenen Träumen.Nathaniel Kleitman verstarb im Jahre 1999 im Alter von 104 Jahren.

 

William C. (Bill) Dement

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*1928

The Promise of Sleep (W.C. Dement / C. Vaughan)

Als Nathaniel Kleitmans Buch herauskam war Bill Dement 11 Jahre alt. Als Student Kleitmans in Chicago, zeichnete er 1953 zusammen mit einem anderen Studenten (Aserinsky) die Hirnströme und Augenbewegungen eines Menschen während der gesamten Nacht auf. Er stellte fest, dass bestimmte Muster der Hirnströme während einer gesamten Nacht eine eigentümliche, organisierte Abfolge aufwiesen. Er unterteilte die Muster in vier verschiedene Kategorien. In keinem dieser vier Schlafstadien konnte er schnelle Augenbewegungen beobachten. Diese traten isoliert von den anderen vier Hirnstrommustern auf. Zudem entdeckte er, dass eine elektrische Hirnstromkurve dem elektrischen Hirnstrommuster bei Wachheit ähnelte. Er hatte damit ein fünftes Hirnstrommuster im Schlaf entdeckt: den REM-Schlaf. Er bezeichnete die Hirnstrommuster als Schlafstadien und betitelte die ersten vier Schlafstadien als „ohne schnelle Augenbewegungen‘, i.e. Non-REM Schlaf. Das Hirnstrommuster mit Augenbewegungen wurde als REM Schlaf betitelt. Rapid Eye Movement Sleep. Als ich von der Uni Marburg zur Stanford Universität im Jahre 1987 wechselte hatte ich die Ehre William C. Dement persönlich kennenzulernen. Er wurde neben Christian Guilleminault zu meinem Mentor bis in die späten neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. William C. Dement gebührt eine besondere Auszeichnung dafür, dass er sich von Anbeginn seiner beruflichen Laufbahn der Bedeutung der Schlafmedizin immer bewusst gewesen ist. Er war der erste klinische Schlafmediziner, der an einer Universität einen Lehrstuhl für Schlafmedizin erhielt. 1975 war er der Mitbegründer der Amerikanischen Gesellschaft für Schlafmedizin, der er 12 Jahre als Präsident vorstand. Er ist Autor zahlreicher Bücher über schlafmedizinische Themen. Sein bekanntestes Buch: „The Promise of Sleep“ wurde in Deutsch übersetzt. (Der Schlaf und unsere Gesundheit, ISBN: 3-404-60500-4). In der Mitte der neunziger Jahre hatte ich die Gelegenheit eine wesentliche wissenschaftliche Untersuchung über die Auswirkungen über Schlafapnoe und Fahrtauglichkeit bei Lastwagenfahrern mit W.C. Dement durchzuführen. Dazu waren wir 2 Monate in die Hauptzentrale eines amerikanischen Speditionsunternehmens in Salt Lake City gefahren. Es war bitterkalt in nordwestamerikanischen Winter des Jahres 1992. Dennoch hatten wir die Gelegenheit, hunderte Lastwagenfahrer zu untersuchen, um festzustellen, wie viele von ihnen eine Schlafstörung hatten, die deren Reaktionsfähigkeit zur Lenkung eines LKW einschränkte.

 

Christian Guilleminault

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The Sleep Apnea Syndromes

Im Jahr 1970 trat ein junger französischer Neurologe, Christian Guilleminault, dem Stanford- Team bei. Guilleminault hatte zuvor an der Universität von Paris beobachtet, dass es Menschen gibt, bei denen sich während der Nacht lange, häufig wiederkehrende Atemstillstände nachweisen lassen. Da der Leiter seiner Abteilung nicht an eine solche Atmungsstörung im Schlaf glaubte und es ihm untersagte, auf diesem Gebiet weiterzuforschen, entschied er sich 1970, an die Stanford Universität zu wechseln. Dort beschrieb er dann in den folgenden Jahren das Obstruktive Schlafapnoesyndrom, das durch periodische Verschlüsse im Bereich des Schlundes zu Atemstillständen im Schlaf und zu Müdigkeit am Tag führt. Viele Menschen insbesondere in höherem Lebensalter sind vom Schlafapnoesyndrom betroffen.

Diese Seite wurde aktualisiert am 26. März 2015 um 10:42 Uhr.