Tipps für den Straßenverkehr

Schlafend zum Crash

Den meisten Menschen sind die Gefahren von Alkohol am Steuer wohlbekannt. Viele wissen jedoch nicht, dass überhöhte Müdigkeit am Steuer ähnlich tragische Folgen haben kann: Nach Schätzungen basieren rund 20-30% aller Autounfälle auf Einschlafen am Steuer. Verantwortlich für die Schläfrigkeit sind in den meisten Fällen erhebliche Schlafdefizite. Bisweilen werden sie durch behandlungsbedürftige Schlafstörungen wie Schlafapnoe, Insomnie oder Narkolepsie ausgelöst.

Müdigkeit beeinflusst die Reaktionszeit negativ und kann u.a. zu einer Fehleinschätzung

  • der Geschwindigkeit
  • der zurückgelegten Strecke
  • der Entfernung zu Hindernissen auf der Fahrbahn

führen.

In Analogie zum Rhythmus unserer „inneren Uhr“ ereignen sich auffällig viele müdigkeitsbedingte Unfälle während unseres „Tagestiefs“ zwischen 12.00 und 16.00 Uhr. Die meisten durch verstärkte Müdigkeit hervorgerufenen Unfälle jedoch sind zwischen 23.00 und 6.00 Uhr morgens zu verzeichnen, denn während dieser Zeit ist unsere „innere Uhr“ auf Schlafen eingestellt.


Fünf klassische Missverständnisse

  • Koffeeinhaltige Getränke halten wach
    Kaffee und Cola sind kein Ersatz für ausreichenden Schlaf! Zwar können sie kurzzeitig einen aufputschenden Effekt mit sich bringen, doch ausgeprägte Müdigkeit kann trotz Kaffeekonsums zum gefürchteten Sekundenschlaf führen. Dieser Sekundenschlaf dauert durchschnittlich 1 bis 5 Sekunden. Wenn Sie beispielsweise bei einer Geschwindigkeit von 100 km/Stunde plötzlich in den Sekundenschlaf fallen, würde das bedeuten, dass Sie eine Strecke von ca. 27 bis 140 m schlafend am Steuer verbringen.
  • Man kann den genauen Zeitpunkt des Einschlafens voraussehen
    Die meisten Menschen glauben genau zu wissen, wann sie einschlafen. Untersuchungen zeigen, dass dies leider unzutreffend ist. Im Gegenteil: Da Schlaf eine unbewusste Handlung darstellt, kann man bei ausgereifter Müdigkeit leicht in den Schlaf sinken, ohne es zu bemerken. Auffällig ist zudem, dass viele Menschen große Schwierigkeiten haben, die Dauer ihres „Nickerchens“ richtig einzuschätzen.
  • Man braucht nur fünf Stunden Schlaf
    Die meisten von uns wissen nicht, dass man durchschnittlich sieben bis acht Stunden Schlaf benötigt, um ausgeschlafen zu sein. Wer häufig spät zu Bett geht und morgens einen Wecker benötigt, um aufzuwachen, baut sich über mehrere Tage hinweg ein zunehmendes Schlafdefizit auf. Haben Sie sich einmal gefragt, ob Sie sich morgens wirklich ausgeschlafen fühlen? Wer nachts lange genug schläft und dennoch über einen längeren Zeitraum hinweg Müdigkeit beklagen muss, kann unter einer behandlungsbedürftigen Schlafstörung leiden. Unabhängig von der Ursache Ihrer Müdigkeit sollten Sie es vermeiden, unausgeschlafen Auto zu fahren. Achten Sie daher möglichst darauf, Ihre Arbeit und Freizeit so zu gestalten, dass Sie genügend Zeit zum Schlafen finden.
  • Wer noch keinen Unfall hatte, ist ein guter Fahrer   
    Irgendwann ist immer das erste Mal. Nur ausgeschlafene Fahrer und Fahrerinnen handeln verantwortungsvoll.
  • Ich kann sowieso keinen Mittagsschlaf halten
    Wer glaubt, am Tage kein Nickerchen halten zu können, täuscht sich gewaltig. Selbst Menschen, die der felsenfesten Überzeugung sind, keinerlei Müdigkeit zu verspüren, schlafen in einem abgedunkelten Raum vergleichsweise schnell ein, wenn es ihnen gelingt, sich zu entspannen

Tödliche Mischung: Müdigkeit und Alkohol

Wir alle wissen nur allzu gut, dass sich Alkohol und Autofahren gegenseitig ausschließen sollten. Leiden wir zudem unter einem Schlafdefizit, begeben wir uns in besonders große Gefahr: Unter Müdigkeit kann sich die Wirkung lediglich eines Glases Wein oder Bier um das Drei- bis Fünffache erhöhen.

Hände weg vom Steuer: Typische Warnsignale

Es gibt einige untrügliche Merkmale, die auf Fahruntüchtigkeit hindeuten. Wenn Sie bei sich eines oder sogar mehrere der folgenden Signale beobachten, sollten Sie auf keinen Fall weiterfahren:

  • verschwommenes Sehen    
  • schwere oder herabsinkende Augenlider
  • unwillkürliches Kopfnicken
  • permanentes Gähnen
  • wandernde Gedanken
  • Sie erinnern sich nicht an die letzten fünf gefahrenen Kilometer
  • schlenkerndes Fahren
  • ruckartige Lenkbewegungen
  • Abkommen von der Fahrspur oder sogar beinahe Zusammenstoß mit einem anderen Fahrzeug

Unbedingt muss gelten: Wer beim Autofahren müde wird, sollte anhalten, es sich bequem machen und versuchen zu schlafen. Dazu sollte ein gut beleuchteter, nicht allzu entlegener Rastplatz gewählt werden. Sicherheitshalber sollten Sie die Türen verschließen.

Schlaf und Autofahren: Neun goldene Regeln

  • Schlafen Sie sich vor der Fahrt gut aus, insbesondere wenn Sie längere Reisen planen
  • Fahren Sie zu Zeiten, zu denen Sie normalerweise auch wach wären
  • Vermeiden Sie es, zwischen 0.00 und 6.00 Uhr morgens zu fahren. Zu dieser Zeit ist Ihre „innere Uhr“ auf Schlafen eingestellt
  • Gönnen Sie sich ausreichend Pausen, vor allem in den Nachmittagsstunden zwischen 12.00 und 16.00 Uhr
  • Reisen Sie nach Möglichkeit mit anderen Personen. Gespräche halten wach. Außerdem registrieren Beifahrer/innen die Ermüdung oftmals schneller als die Fahrer/innen
  • Sollten Sie alleine reisen und ermüden, empfiehlt es sich, anzuhalten und kurz zu schlafen
  • Auch wenn Sie keine Schlafdefizite zu verbuchen haben, sollten Sie unbedingt darauf achten, vor Antritt einer längeren Reise acht Stunden zu schlafen. Sollten Sie bereits länger über ein Schlafdefizit verfügen, sollten Sie es unbedingt vor Antritt einer längeren Autofahrt durch zusätzlichen Schlaf – etwa an den Wochenenden oder durch regelmäßiges früheres Zubettgehen – abbauen
  • Planen Sie alle 2 Stunden oder alle 200 km eine Pause ein. Falls Sie müde sind, sollten Sie die Abstände verkürzen
  • Versuchen Sie, in den Pausen zu schlafen, frische Luft zu tanken und spazieren zu gehen

Diese Seite wurde aktualisiert am 24. September 2013 um 09:52 Uhr.