Insomnie

Schlaflosigkeit (Ein- und Durchschlafstörung, Insomnie)

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Die Hälfte aller Menschen werden das Gefühl der Schlaflosigkeit für eine mehr oder minder längere Zeit in ihrem Leben erfahren. Aber nur, wer länger als ein halbes Jahr damit kämpft, hat eine chronische Insomnie. Frauen sind davon häufiger betroffen als Männer.
Meist äussert sich die Insomnie als Schwierigkeit innerhalb einer angemessenen Zeit – etwa 20 Minuten – einschlafen zu können.
Bei anderen zeichnet sie sich durch eine Unfähigkeit aus, durchschlafen zu können: Sie liegen während der Nacht für mehrere Stunden wach, ohne wieder einschlafen zu können. Kombinationen beider Schlafstörungen sind häufig. 



Auswirkungen

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Wenn die Gesamtschlafzeit innerhalb des 24-Stundenzyklus unter den Wert fällt, der für die individuelle Person notwendig ist, entsteht eine Tagesmüdigkeit.
Typisch für Insomniker ist, dass sie trotz dieser Müdigkeit tagsüber nicht schlafen können (und auch nicht sollten). Sie sind weniger belastbar, leicht reizbar und nur eingeschränkt konzentrationsfähig. Nicht nur die Nacht, sondern auch der Tag wird zur Qual.
Dies betrifft oft Frauen, die familiär und beruflich gefordert sind. Irgendwann sind sie nicht mehr in der Lage, abends abzuschalten und zu entspannen – was für den Schlaf Voraussetzung ist.
Selbst wenn familiäre oder berufliche Anforderungen wegfallen, bleibt die Unfähigkeit zu entspannen – die Schlaflosigkeit bleibt erhalten.

Ursachen (Funktionelle somatische Syndrome, "Functional Somatic Syndromes")

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Neben einer erblichen Neigung spielen äussere Einflüsse eine bedeutende Rolle. Die bereits erwähnte Doppelbelastung, sowie besonders stressreiche Lebensumstände (Beruf, Familie und Soziales) sind mit einem unbeschwerten Schlaf nur schwer in Einklang zu bringen.
Gutgemeinte Tipps von Mitmenschen können als zusätzliche Belastung empfunden werden. Stoffe wie Alkohol, Koffein und Nikotin bringen nur vordergründige, kurzfristige Verbesserungen - dabei werden echte Hilfen verdrängt.

Bei vielen Betroffenen sind die ursächlichen Voraussetzungen für eine Einbindung in die funktionellen somatischen Syndrome (angelsächsisch: "Functional Somatic Syndromes") gegeben.  Grob vereinfacht bedeutet dies, dass das Gehirn sich in einer erhöhten Reaktionsbereitschaft befindet. Und dies auch im Schlaf. Zahlreiche Forscher haben diese Achse als Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse beschrieben. Die Betroffenen leiden unter einer Aktivierung ihres körpereigenen Stresssystems, das sich in den Schlaf mit hereinzieht. Der Schlaf ist nicht mehr erholsam, unterbrochen und oberflächlich.

Wir als Schlafmediziner der Somnolab Kliniken haben die Möglichkeiten herauszufinden, ob diese Voraussetzungen bestehen und ihnen dann ursächlich entgegenzuwirken.


Angst vor dem Bett

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Menschen mit Ein- und Durchschlafstörungen stehen oft unter einem erheblichen Leidensdruck. Das Bett, eigentlich Ort der Entspannung und Erholung, wird zunehmend als Ort der Qual, des angespannten Grübelns und Problemewälzens empfunden. Tritt die Insomnie über einen längeren Zeitraum auf, können die Betroffenen in einen richtiggehenden Teufelskreis geraten: Die Angst, mangels ausreichenden Schlafes am Tage zu versagen, verstärkt sich von Nacht zu Nacht. Je länger die Schlafdefizite anhalten, desto stärker besteht das Bedürfnis, den Schlaf mit aller Gewalt herbeizwingen zu wollen. Doch Schlaf und Anspannung schließen sich gegenseitig aus, das Ein- oder Durchschlafen misslingt erst recht.

Risikogruppen und Ursachen

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Rund 5 Millionen Bundesbürger und –bürgerinnen leiden unter Insomnie. Ungeachtet des Alters, des Geschlechts oder der sozialen Herkunft können Ein- und Durchschlafstörungen grundsätzlich jeden treffen. Allerdings leiden Frauen häufiger als Männer an Insomnie. Auch findet sich Insomnie überdurchschnittlich häufig in der Altersgruppe der 30 bis 65-Jährigen. Die Ursachen von Ein- und Durchschlafstörungen sind so vielfältig wie ihr Erscheinungsbild: Auslöser können beispielsweise Umweltfaktoren, der persönliche Lebensstil, Schichtarbeit, häufiger Zeitzonenwechsel, Stress, aber auch ernstzunehmende organische und psychische Erkrankungen sein.

Gereizt durch den Tag: Folgesymptome

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Das Tagesgeschehen von Insomnikern und Insomnikerinnen wird häufig von Tagesmüdigkeit, Konzentrationsmangel, vermindertem Reaktionsvermögen, Erschöpfungszuständen, erhöhter Reizbarkeit und veränderter Wahrnehmung getrübt. Chronisch gestörter Schlaf kann das Immunsystem schwächen, organische Erkrankungen nach sich ziehen. Da Schlafen zu den Grundbedürfnissen des Organismus zählt, holt sich der Körper den herbeigesehnten Schlaf möglicherweise am Tage. Dieser so genannte „Sekundenschlaf“ übermannt Sie schlimmstenfalls zu ungünstiger Zeit, etwa während Sie arbeiten oder Auto fahren. Viele Insomnie-Patienten und Patientinnen setzen dauerhaft Schlafmittel ein. Arzneimittelabhängigkeit kann die Folge sein.

Wann zum Arzt?

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Nahezu jeder von uns wird im Laufe seines Lebens von leichten Schlafstörungen gequält. Dies ist kein Grund zur Besorgnis. Können Sie jedoch längerfristig nicht ein- oder durchschlafen und ist Ihr Allgemeinbefinden am Tage beeinträchtigt, empfehlen wir, einen fachkundigen Arzt aufzusuchen. In der Medizin wird Insomnie nicht als Erkrankung, sondern – Bauchschmerzen oder Fieber vergleichbar - als Symptom bewertet. Es gilt daher, Schritt für Schritt die eigentliche Ursache des Symptoms zu ergründen. Nur auf diese Weise können schwerwiegende organische oder psychische Grunderkrankungen ausgeschlossen, ein erfolgreiches Therapiekonzept entwickelt werden. Gegebenenfalls wird Ihnen Ihr Arzt den Besuch eines Schlaflabors ans Herz legen.


Formen der Insomnie

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Je nach Ursache, Erscheinungsbild und Verlaufsform unterscheidet man zwischen mehreren Formen der Insomnie:

1. Primäre Insomnien

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  • Psychophysiologische Insomnie
    
Dies ist die meistverbreitete Form der Insomnie. 10% der Bevölkerung leiden unter dieser Variante der Ein- und Durchschlafstörung. Sie entsteht bei chronisch erhöhter körperlicher und emotionaler Anspannung.
  • Idiopathische Insomnie

    Hierbei besteht ein lebenslanges, oft seit früher Kindheit nachweisbares Unvermögen, ausreichend Schlaf zu finden. Als Ursache wird eine neurologische Störung der schlafwachregulierenden Systeme im Gehirn vermutet.
  • Fehlbeurteilung des Schlafes
    
In diesem Falle wird die tatsächliche Schlafdauer deutlich zu gering eingeschätzt.

2. Sekundäre Insomnien

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  • Insomnien bei psychiatrischen Erkrankungen (Depressionen, Angsterkrankungen etc.)
  • Insomnien bei organischen und neurologischen Erkrankungen (z.B. Schilddrüsen- oder Herz-Lungen-Erkrankungen, Diabetes)
  • Insomnien, die durch Drogen, Alkohol oder Medikamente hervorgerufen werden
  • Exogene bzw. umweltbedingte Insomnien (Lärm, akuter Stress, unzureichende Schlafhygiene etc.)
  • Insomnien als Begleitsymptom anderer Schlafstörungen (Schlafapnoe, Restless-Legs-Syndrom, Parasomnien, Periodische Beinbewegungen)

Weitere Informationen zu Behandlungsmöglichkeiten

Diese Seite wurde aktualisiert am 15. Dezember 2015 um 18:37 Uhr.