Interview mit Dr. Riccardo Stoohs

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Nachfolgend finden Sie ein Interview, welches in Kürze in einer Print-Publikation veröffentlicht wird.
Dr. Riccardo Stoohs gibt hier unter anderem eine Antwort darauf, inwieweit eine Verbindung zwischen Schlaf und Seele besteht.

Lesen Sie hier das vollständige Interview:

Herr Dr. Stoohs, warum ist der Schlaf lebensnotwendig?

Dr. Stoohs: Diese bedeutende Frage lässt sich aufgrund der derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnislage nur indirekt beantworten. Die ca. 300.000 Jahre währende Evolution des modernen Menschen hat zu zahlreichen erfolgreichen Adaptationen an die sich stetig verändernden externen Gegebenheiten geführt. Hier sei exemplarisch nur die Verstoffwechselung von Glucose (Zucker) genannt. Dennoch hat die Evolution es nicht geschafft (oder gar nicht erst versucht) den modernen Menschen vom Bedürfnis des Schlafes zu befreien. Entzieht man Nagetieren den Schlaf, so versterben sie nach ca. 1 Monat. Trinken und essen gehören ebenfalls zu diesen fundamentalen, lebenserhaltenden Mechanismen. Wir können einfach darauf nicht verzichten, da sie uns die Energie bereitstellen, die wir zum Leben brauchen und der Schlaf gehört unteilbar dazu. Ca. 8 Stunden Schlaf innerhalb eines 24-stunden Zyklus ermöglichen unserem Organismus 16 Stunden bei Bewusstsein.

Herr Dr. Stoohs, gibt es eine Verbindung zwischen Schlaf und Seele?

Dr. Stoohs: Diese Frage ist recht einfach zu beantworten. Emotionale Gesundheit und Schlaf sind eng miteinander verknüpft. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass psychische Störungen wie Depressionen das Schlafverhalten verändern können. Ebenso ist bekannt, dass gewisse Schlafstörungen das Risiko an einer Depression zu erkranken, drastisch erhöhen. Ein- und Durchschlafstörungen wiederum erhöhen die Wahrscheinlichkeit an einer Depression zu erkranken oder Selbsttötung zu begehen.

Gesunder Schlaf benötigt neben vielen organischen Voraussetzungen auch eine naturgegebene Aura zur Entspannung. Dies ist der Zeitpunkt des Übergangs vom wachsamen Bewusstsein in den Zustand der körperlichen Entspannung, die für einen erholsamen Schlaf erforderlich ist. Diesen Voraussetzungen wirken zahlreiche, alltägliche Bedingungen des modernen Menschen mit seiner dauernden Erreichbarkeit und den Errungenschaften der technisierten Kommunikationstechnik entgegen. Der steinzeitliche Mensch hat sich in eine sichere Höhle zurückgezogen, um vor den externen Gefahren geschützt zu sein. Er kannte kein Handy oder Email.

Herr Dr. Stoohs, was können wir tun, wenn unser Schlaf nicht mehr erholsam ist?

Dr. Stoohs: Die gute Nachricht ist, dass wir Menschen sehr sensibel auf einen nicht-erholsamen Schlaf reagieren. Wir wissen daher sehr genau, wenn etwas damit nicht stimmt. Die schlechte Nachricht ist, dass wir diesen Zustand leider zu lange inkauf nehmen. Wenn wir so handeln, chronifizieren sich Schlafstörungen. Je länger sie bestehen, desto schwerer sind sie zu behandeln und desto stärker steigt das Risiko an einer Depression zu erkranken oder Herz-Kreislauferkrankungen zu entwickeln. Wissenschaftliche Erkenntnisse der vergangenen Zeit belegen, dass die Lebenserwartung durch unbehandelte Schlafstörungen deutlich reduziert wird. Daher ist es ratsam den Ursachen für einen nicht-erholsamen Schlaf auf den Grund zu gehen. Wenn wir länger als 4 Wochen an einem nicht-erholsamen Schlaf leiden, ist es an der Zeit, einen Spezialisten aufzusuchen, der ursachenorientierte Untersuchungen durchführen kann. Ist die Ursache erkannt, dann kann eine gezielte Behandlung zur Beseitigung der Problematik führen. Die schlechteste Alternative wäre, nur die Symptome zu behandeln, was häufig zur Verschreibung von Schlafmitteln und nicht zu einer Behebung der auslösenden Faktoren führt.

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