Schlaf und Straßenverkehr

Verkehrstauglichkeit

Ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom, das nicht behandelt wird, kann Ihre Gesundheit erheblich beeinträchtigen. Neben einem deutlich erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind Betroffene vor allem durch ein erhöhtes Unfallrisiko gefährdet, denn 

  • das Reaktionsvermögen ist verlangsamt,
  • die Wahrscheinlichkeit des „Sekundenschlafs“, bei dem die Betroffenen gegen ihren Willen kurz einnicken, ist erhöht.

Somit sind Schlafapnoe-Patienten bis zu sechsmal häufiger in Unfälle verwickelt. Doch auch für Betroffene, die schnarchen und keine Atemaussetzer haben, potenziert sich das Unfallrisiko – und zwar um das 3,5-fache!

Durch die zunehmende und intensivere Diskussion bzgl. Fahrtüchtigkeit bei Schlafapnoe wurden Änderungen der gesetzlichen Regelungen veranlasst. Demnach können die Anforderungen zum Führen eines KFZ bei Schlafstörungen nicht erfüllt werden, wenn eine messbar auffällige Tagesmüdigkeit vorliegt.

Ein/e unbehandelte/r Schlafapnoe-Patient/in mit Tagesmüdigkeit darf nicht am Straßenverkehr teilnehmen!

Wird die Schlafstörung hingegen wirksam behandelt, kann eine Minderung oder gar vollständige Rückbildung der Tagesmüdigkeit erreicht werden. Das bedeutet: Die Fahrerlaubnis kann aufrechterhalten bzw. erteilt werden, wenn sich die Betroffenen regelmäßig schlafmedizinisch untersuchen und behandeln lassen.

Versicherungsschutz bei Schlafapnoe

Verursacht ein Schlafapnoiker infolge seiner Tagesmüdigkeit einen Unfall, mündet dies häufig in einen Versicherungsstreit: Wird dem Unfallfahrer vor diesem Hintergrund grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen, kann die Versicherungsleistung gemindert werden.

Was bedeutet grobe Fahrlässigkeit?

Grobe Fahrlässigkeit liegt vor, wenn die im Verkehr erforderliche Sorgfalt in besonders schwerem Maße verletzt wird. Im Einzelfall kann die Versicherungsleistung sogar vollständig gestrichen werden.

Wie wertet das Gesetz Einschlafen am Steuer?

Einschlafen am Steuer gehört zu den schwersten Verkehrsverstößen. Es wird dem Fahren unter Alkoholeinfluss gleichgestellt.

Fakt ist: Ein Viertel aller Verkehrsunfälle und ein Drittel aller tödlichen Autobahnunfälle gehen auf das Konto des „Sekundenschlafs“. Dieser resultiert am häufigsten aus einer unzureichend therapierten Schlafapnoe.

Die Kombination von Alkoholkonsum und Schlafapnoe bzw. Müdigkeit schafft ein besonders hohes Gefahrenpotential.

Um den Verlust Ihrer Fahrerlaubnis bzw. einer etwaigen Versicherungsleistung vorzubeugen, empfehlen wir Ihnen regelmäßige Kontrolluntersuchungen.

Schlafapnoiker, die jährlich über 25.000 km mit dem PKW zurücklegen, empfehlen wir eine jährliche Kontrolle im Schlaflabor mit begleitender Tagestestung.

Dasselbe gilt für Berufsgruppen mit erhöhtem Unfallrisiko, wie beispielsweise

  • LKW-Fahrer
  • Zugführer, Schiffskapitäne, Piloten
  • Kran- oder Baggerführer
  • Arbeiter an Holz-, Metall- oder Kunststoff-Bearbeitungsmaschinen
  • Stahlarbeiter
  • Lotsen
  • Bedienstete in Überwachungsbereichen z. B. Kraftwerk, Stellwerk, Tower
  • Berufstätige mit Absturzgefahr z. B. Bauingenieure, Architekten, Dachdecker, Maurer

Unsere Empfehlung: Tagestestung

Zur Beurteilung Ihrer Fahrtüchtigkeit eignen sich spezielle Schlaf- und Reaktionszeittests.

Waren Sie vor Therapiestart Ihrer Schlafstörung tagesmüde, unkonzentriert oder eingeschränkt leistungsfähig, empfehlen wir nach der Untersuchung im Schlaflabor eine ergänzende Tagestestung.

Beide Verfahren führen wir bei Somnolab durch.

Spezialprogramm für Transportunternehmen

Für Transportunternehmen mit Berufskraftfahrern bieten wir ein umfassendes Präventionsprogramm an. Wir informieren über die Risiken von Schläfrigkeit am Steuer und unterstützen Sie mit Tipps und konkreten Maßnahmen, um diese bei Ihren Fahrern zu vermeiden ist. Bei Interesse wenden Sie sich  gerne an unser Sekretariat unter Tel. 0231 94113040.


Tipps für den Straßenverkehr

Alkohol am Steuer – den meisten Menschen ist sehr wohl bewusst, dass diese Kombination ein großes Risiko in sich birgt. Viele wissen jedoch nicht, dass überhöhte Müdigkeit am Steuer ähnlich tragische Folgen haben kann: Nach Schätzungen basieren rund 20-30% aller Autounfälle auf Einschlafen am Steuer. Verantwortlich für diese Schläfrigkeit sind in den meisten Fällen erhebliche Schlafdefizite, die zunehmend aufgrund behandlungsbedürftiger Schlafstörungen wie Schlafapnoe, Insomnie oder Narkolepsie entstehen.

Müdigkeit wirkt sich negativ auf die Reaktionszeit aus und kann u.a. zu folgenschweren Fehleinschätzungen führen von

  • Geschwindigkeit,
  • zurückgelegter Strecke,
  • Entfernung zu Hindernissen auf der Fahrbahn.

Entsprechend dem Rhythmus unserer „inneren Uhr“ ereignen sich auffällig viele müdigkeitsbedingte Unfälle während unseres „Tagestiefs“ zwischen 12.00 und 16.00 Uhr. Die meisten durch verstärkte Müdigkeit hervorgerufenen Unfälle passieren jedoch zwischen 23.00 Uhr abends und 6.00 Uhr morgens: In dieser Zeit ist unsere „innere Uhr“ auf Schlafen eingestellt.

  • Koffeinhaltige Getränke halten wach.
    Kaffee, Cola und Energy-Drinks sind kein Ersatz für ausreichenden Schlaf! Zwar können sie kurzzeitig einen aufputschenden Effekt mit sich bringen, doch ausgeprägte Müdigkeit kann trotz Koffeinkonsums zum gefürchteten Sekundenschlaf führen: Dieser Sekundenschlaf dauert durchschnittlich 1 bis 5 Sekunden. Wenn Sie bei einer Geschwindigkeit von z. B. 100 km/Stunde plötzlich in den Sekundenschlaf fallen würden, hieße das, Sie legten am Steuer eine Strecke von ca. 27 bis 140 Metern schlafend zurück…!

 

  • Den genauen Zeitpunkt des Einschlafens kann man voraussehen.
    Die meisten Menschen glauben genau zu wissen, wann sie einschlafen. Untersuchungen zeigen jedoch, dass dies leider nicht zutrifft. Im Gegenteil: Da Schlaf eine unbewusste Handlung ist, kann man bei ausgereifter Müdigkeit leicht in den Schlaf sinken, ohne es zu bemerken. Auffällig ist zudem, dass viele Menschen große Schwierigkeiten haben, die Dauer ihres „Nickerchens“ richtig einzuschätzen.

 

  • Fünf Stunden Schlaf reichen aus.
    Bislang ist größtenteils nicht bekannt, dass eine erwachsene Person durchschnittlich sieben bis acht Stunden Schlaf benötigt, um ausgeschlafen zu sein. Wer häufig spät zu Bett geht und morgens einen Wecker benötigt, um aufzuwachen, baut sich über mehrere Tage hinweg ein zunehmendes Schlafdefizit auf. Haben Sie sich einmal gefragt, ob Sie sich morgens wirklich ausgeschlafen fühlen?
    Wer nachts lange genug schläft und dennoch über einen längeren Zeitraum hinweg über Müdigkeit klagt, kann unter einer behandlungsbedürftigen Schlafstörung leiden.
    Unabhängig von der Ursache Ihrer Müdigkeit sollten Sie vermeiden, unausgeschlafen Auto zu fahren. Achten Sie darauf, Ihre Arbeit und Freizeit so zu gestalten, dass Sie genügend Zeit zum Schlafen finden.

 

  • Wer noch nie einen Unfall hatte, ist ein guter Fahrer.
    Irgendwann ist immer das erste Mal. Nur ausgeschlafene Fahrer und Fahrerinnen handeln verantwortungsvoll!

 

  • Ich kann sowieso keinen Mittagsschlaf halten.
    Wer glaubt, am Tage kein Nickerchen halten zu können, täuscht sich gewaltig. Selbst Menschen, die der felsenfesten Überzeugung sind, keinerlei Müdigkeit zu verspüren, schlafen in einem abgedunkelten Raum vergleichsweise schnell ein, wenn es ihnen gelingt, sich zu entspannen.

Wir alle wissen nur zu gut, dass sich Alkohol und Autofahren nicht miteinander vereinbaren lassen. Leiden wir zusätzlich unter einem Schlafdefizit, begeben wir uns in besonders große Gefahr: Bei Müdigkeit kann sich die Wirkung von nur einem Glas Wein oder Bier um das Drei- bis Fünffache erhöhen!

Hände weg vom Steuer: Typische Warnsignale

Es gibt bestimmte untrügliche Merkmale, die auf Fahruntüchtigkeit hindeuten. Wenn Sie bei sich eines oder sogar mehrere der folgenden Signale beobachten, sollten Sie auf keinen Fall weiterfahren:

  • verschwommenes Sehen
  • schwere oder herabsinkende Augenlider
  • unwillkürliches Kopfnicken
  • permanentes Gähnen
  • wandernde Gedanken
  • fehlende Erinnerung an die letzten fünf gefahrenen Kilometer
  • schlenkerndes Fahren
  • ruckartige Lenkbewegungen
  • Abkommen von der Fahrspur
  • beinahe Zusammenstoß mit einem anderen Fahrzeug

Unser Tipp: Machen Sie unbedingt eine Pause!

Wer beim Autofahren müde wird, sollte anhalten, es sich bequem machen und versuchen, zu schlafen. Dazu sollte ein gut beleuchteter, nicht allzu entlegener Rastplatz gewählt werden. Sicherheitshalber sollten Sie die Türen verschließen.

  • Schlafen Sie sich vor jeder Fahrt gut aus!
    • Insbesondere, wenn Sie längere Reisen planen
  • Fahren Sie zu Zeiten, zu denen Sie normalerweise auch wach sind!
    • Vermeiden Sie es, zwischen 0.00 und 6.00 Uhr morgens zu fahren: Zu dieser Zeit ist Ihre „innere Uhr“ auf Schlafen eingestellt.
  • Gönnen Sie sich ausreichend Pausen!
    • Vor allem in den Nachmittagsstunden zwischen 12.00 und 16.00 Uhr
  • Reisen Sie nach Möglichkeit mit anderen Personen.
    • Gespräche halten wach, zudem registrieren Beifahrer/innen die Ermüdung häufig schneller als die Fahrer/innen
  • Sollten Sie alleine reisen und ermüden, halten Sie kurz an und schlafen Sie ein bisschen
  • Auch wenn kein Schlafdefizit vorliegt:
    Achten Sie unbedingt darauf, vor Antritt einer längeren Reise acht Stunden zu schlafen.
  • Sollten Sie bereits über längere Zeit ein Schlafdefizit aufgebaut haben, sollten Sie es vor Antritt einer längeren Autofahrt unbedingt durch zusätzlichen Schlaf abbauen
    • z. B. an den Wochenenden oder durch regelmäßiges, früheres Zubettgehen
  • Planen Sie regelmäßig Pausen ein:
    • alle zwei Stunden oder
    • alle 200 km
    • Falls Sie eher müde werden, sollten Sie die Abstände verkürzen.
  • Versuchen Sie, in den Pausen zu schlafen, frische Luft zu tanken und spazieren zu gehen.
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